Willkommen liebe Pferdefreunde


“Mit Pferden sein…” ist keine Methode, sondern ermöglicht das Verfeinern oder Rückbesinnen der eigenen Wahrnehmung und hiermit einen völlig anderen Blickwinkel auf das Verhalten und die Kommunikation von Mensch und Pferd.

Denn kann man Freundschaft mit einem Trainingsprogramm erreichen? Entsteht Hingabe nicht aus gegenseitigem Vertrauen aus dem Moment heraus? Kann man Hingabe “trainieren”, Liebe in Lektionen messen? Muss man nicht selbst erst einmal glaubwürdig werden, vertrauenswürdig sein, im besten Sinne des Wortes? Sollte man nicht eher die Sprache des Pferdes lernen, damit man versteht, was es uns mitteilen will, was es mag, was es fürchtet, wo es eine Grenze verlangt oder lieber mehr Freiheit? Würden wir einen Freund bitten, Tag für Tag etwas für uns zu tun, dass er nicht mag, langweilig ist oder gar demütigend? Und wenn, würde dieser Freund, diese Freundin sich dann nicht irgendwann von uns zurück ziehen und sich innerlich  und äußerlich von uns „abwenden“? Freundschaft beruht auf Verständnis und Vertrauen, ist gegenseitig und hält auch einmal eine Diskussion aus, wenn man nicht einer Meinung ist.

Pferd und Mensch sind hochsoziale Lebewesen und können miteinander kommunizieren und eine Beziehung eingehen, die zu einer echten Freundschaft werden kann und die auf gegenseitigem Respekt und Würdigung beruht.
Wir lehren in erster Linie Wahrnehmung und eine feine gegenseitige Kommunikation mit dem Pferd. Wir lehren hinzuschauen, was ein Pferd uns mitteilt, mit seiner Mimik, seinem Blick, seinem Verhalten und seinen körpersprachlichen Signale, die es uns ständig sendet. Dadurch können wir erkennen, was es fühlt, nehmen sein Wesen und seinen Charakter wahr und was es braucht, um uns zu vertrauen. Es versetzt uns in die Lage, auf die Signale, die es uns sendet, in seinem Sinne zu reagieren.

Indem wir uns seine Art und Weise der Verständigung aneignen, können wir ihm antworten und es kann uns ebenso verstehen. Wir degradieren das Pferd nicht zum reinen Befehlsempfänger, sondern bemühen uns darum, ein glaubwürdiger und geachteter Sozialpartner zu werden. Das Pferd ahmt uns entweder nach, wenn es uns interessant oder wichtig findet, es kann aber durch seine Reaktionen auch unser Verhalten widerspiegeln. Nach und nach werden wir merken, was es uns sagt und wo wir selbst stehen. Es geht nicht ums Funktionieren und abrufbare Lektionen, sondern auch oder gerade um unsere eigene Entwicklung. Das Pferd bringt uns unweigerlich an unseren Punkt: Ehrgeiz, Gut-sein-wollen, Besetzen, Angst, Arroganz, Perfektionismus und Streben nach Macht oder Kontrolle. Nach und nach kommt man durch das Loslassen von Erwartungen ins Hier und Jetzt und der Eine oder Andere kann mit und durch das Pferd eine Ebene erfahren, die man schon spirituell nennen darf, nämlich das “Sein“.

Mit herzlichen Grüßen

Mit Pferden sein – ein Erinnerungsclip – von Jaana Kern