News Januar 2018

Liebe Mit Pferden sein- Freunde,

das Jahr beginnt ruhig und  der erste Kurs beginnt erst am 27. Januar- es ist das Tageseminar 01 bei uns in Moringen- Oldenrode.

Mangels neuer Ereignisse, weder gab es im Dezember Kurse noch lässt das Wetter schöne Bilder zu, möchte ich hier meinen letzten Facebooktext veröffentlichen, wo der Aspekt der persönlichen Entwicklung durch Mit Pferden sein… beschrieben wird. Viel Spass beim Lesen 🙂

Herzlichst Sabine und das Mit Pferden sein-Team

 

Text: Was hat Singen mit Pferden zu tun?

Ihr Lieben, heute möchte ich Euch wieder einmal einen Text zukommen lassen, der besonders auch die Fortgeschrittenen unter Euch betrifft. Es ist eigentlich ein älterer Text von 2014, den ich extra suchte und nun etwas aktualisiert habe.
Inspiriert hat mich meine heutige Gesangsstunde und natürlich auch die letzten Kurse, Beiträge und Posts in allen Gruppen.
Ich gehe mittlerweile im 8 -ten Jahr zum Gesangsunterricht, zum eigenen Vergnügen. Ich bin nicht sonderlich begabt, ich singe halt gern, bin sehr musikalisch, habe aber keine besondere Stimme. Nach 4 Jahren begriff ich so langsam, was singen heisst, wie meine Stimme sich veränderte, auf einmal voller und schöner klang und ich hohe oder tiefe Töne traf, von denen ich geglaubt hatte, dass ich sie nie erreichen werde. Vor allem aber, begann ich wahrzunehmen, wenn ich mich nicht genug entspannte, den Gaumen nicht „aufmachte“, den Mund falsch öffnete oder den Bauch nicht mitbenutzte und vieles mehr. Ich fühlte mich als jemand, der endlich anfängt, ein wenig zu begreifen, zur Freude meiner Gesangslehrerin. Größtes Kompliment damals: „Du bist eine der Wenigen, die die Übungen durchhalten, wirklich „zäh““. Ich merkte, es machte ihr Spass, mit mir zu arbeiten, obwohl ich nur durchschnittlich war. Darauf war ich stolz, gab doch es doch andere, die bestimmt der Förderung würdiger waren als ich.
Heute morgen hatte ich eine Stunde, wo auf einmal alles ging, Ich kann nicht sagen, dass meine Stimme besonders schön klang, aber die Töne traf ich nach der vorangegangenen Weihnachtspause mit einer nie gekannten Leichtigkeit. Bauch, Mundhöhle und Gaumen „arbeiteten“ zusammen, ich musste mich nicht konzentrieren, und konnte mich ganz dem Lied widmen, erreichte Tonhöhen, von denen ich nicht zu träumen wagte, dies geschah nun nach : 8!!! Jahren.

Der Vergleich mit unserer Mit Pferden sein – Herangehensweise drängt sich förmlich auf.
Anfangs ist man sozusagen ohne Plan, weiß nur, dass man gern „so“ , also anders als zuvor, mit Pferden umgehen möchte – also „schöner“ singen wie im obigen Beispiel.
Es kann, wenn man Talent hat oder es ein einfaches Lied ist, gut klingen aber es ist lange nicht so, wie es klingen könnte, man bleibt unter den Möglichkeiten, in diesem Falle der Eigenen und der des Pferdes.
In den Kursen ist mir vor allem aufgefallen, wie schwer es den Meisten fällt, loszulassen, seine Muster und vorgefassten Ideen zu erkennen, jenseits der Technik zu spüren, was gerade falsch läuft, was fließt, was man ändern oder ausprobieren könnte.
So verwechseln viele, selbst langjährige Kursteilnehmer, Mit Pferden sein… unbemerkt mit einer Methode oder versuchen, es zu einer zu machen. Zu einer Methode, in der es darum geht, netter zum Pferd zu sein, auf Pads zu reiten oder gar nur am Halsring und manch Einer möchte heilig sein und alles richtig machen. Doch das ist es nicht. Es geht darum, sich weiter zu entwickeln, aus alten Mustern herauszukommen, mehr wahrzunehmen, zu erkennen und vor allem Taten folgen zu lassen. Anfangs hapert es mit der Technik, da zeigt immer wieder die Körpermitte vor dem Widerrist und das Pferd steht in den Ecken herum oder bleibt stehen, weil man es schon wieder einmal ungewollt ausgebremst hat. Die körpersprachliche Kommunikation lässt immer noch zu wünschen übrig, das Pferd antwortet nicht immer wie erhofft. Man zweifelt insgeheim, vorher ging es doch so einigermaßen usw.. doch viele erinnern sich, dass es Wahrheit doch nicht so toll fürs Pferd war und halten durch. Läuft es endlich „rund“, auch auf den Zirkel, denn nun kann man die Position halten, fällt man unweigerlich ins Wollen und damit ins drücken. Das Pferd wird zäh, hat keine Lust mehr oder rennt um sein Leben. Hat man diese Phase überwunden, Vorsicht, sie dauert oft länger, das Ross schwebt, steigt oder verkleinert, ist enttraumatisiert und stellt sich womöglich freudig neben dem Aufsteigbock, dann kommt der Anspruch. Jetzt muss alles gut bleiben, das ist jetzt der Lohn, endlich. Ich habe alles richtig gemacht, Stall, Futter, Haltung und Umgang geändert, eben wirklich alles. Nun bin ich ein guter Mensch. Das undankbare Pferd aber „sagt“ auf einmal etwas ganz Anderes, ist ungehalten oder traurig, hat oft keine Lust, langweilt sich oder fühlt sich genervt. Ein Manches kommt auf einmal nicht mehr von der Weide.
Das Zusammensein ist unmerklich zur Routine geworden, man zweifelt ein zweites Mal, will alles hinschmeissen, Es locken Methoden, die harmonischen Umgang und Perfektion verheissen, Gewaltlosigkeit und Freiheit. Doch das Pferd sieht das anders, es ist unser Spiegel und es funktioniert nicht wie eine Black Box, ich stecke etwas hinein und dafür kommt Liebe, Zuneigung . Hingabe und Freude am anderem Ende wieder heraus.
Nein, es sagte lediglich, schau hin!
Wollten wir nicht Lieder „singen“, aus Freude?
Das Staunen, die Begeisterung, die Unschuld der ersten echten Begegnungen waren nämlich im Alltag verschollen.
Was vorher ging, muss auch immer gehen, so dachte man, und Entwicklung wird als linear betrachtet mit all der entsprechenden Ungeduld und dem unterschwelligem Ehrgeiz und damit der gemeinsamen Überforderung. Dann wundert man sich, dass es auf einmal statt bergauf wieder bergab geht. Man sollte jedoch immer wieder schauen, was augenblicklich ansteht, sich dafür öffnen und das passiert nur im Sein.
So wie ich beim Singen merke, wenn etwas nicht klappt und noch immer nicht alles koordinieren kann, versuche, es trotzdem loszulassen und nicht krampfhaft zu „üben“ . So ist es auch bei uns- Mit Pferden sein– ist ein Prozess, wo ich mich über Jahre hinweg entwickeln kann, Schlüsselerlebnisse habe, auf einmal Momente wie heute beim singen erlebe, wovon denen ich nie zu träumen wagte …

Genau das ist ja das Spannende- ob 2, 4, 8 oder 20 Jahre – wenn wir es zulassen : Entwicklung hört nie auf!

In diesem Sinne Sabine